Gesichtsreinigung – Warum Seife eine schlechte Wahl ist.

veröffentlich von Shenja 18. Mai 2014 6 Kommentare

„Liebes Kind, Seife kann man wirklich für Alles nehmen.

Für die Wäsche, für die Hände, für den Körper und fürs Gesicht.“

Zitat: Meine Großmutter


Diesen Satz höre ich in ähnlicher Form immer öfter von älteren Damen. Doch ihnen trage ich es nicht nach, da dies ein Produkt mit Erinnerungswert für sie ist und zudem günstig. Warum Seife vor allem in Gesicht und Haar lieber nicht angewendet werden sollte, erfahrt ihr nun.

Seife zerstört den Hydrolipidfilm

Tagtäglich produzieren unsere Talg- und Schweißdrüsen ihre Sekrete. Die Talgdrüsen befetten die Haut mit Talg und machen sie geschmeidig und widerstandsfähig. Dazu mischt sich ein Gemisch aus Schweiß. Dieser Mix schützt die Haut vorm Austrocknen und anderen Umwelteinflüssen.

Was passiert nun wenn Seife ins Spiel kommt? Das Fett wird fortgespült, was sicherlich nicht so problematisch ist wenn die verwendeten Tenside milder Natur sind. Von Seife kann man das leider nicht behaupten.

Seife zerstört den Säureschutzmantel

Der oben genannte Mix hat einen ungefähren ph-Wert zwischen 4 und 6, ist demnach leicht sauer und schützt uns dadurch vor Bakterien, da diese Saures nicht mögen. Wenn wir nun die Seifenherstelung betrachten, ist es unumgänglich eine Lauge für diesen Prozess zu nutzen. Laugen sind stark basisch. So ist es nicht verwunderlich, dass die fertige Seife einen ph-Wert von 9 – 10 hat und somit immer noch relativ basisch ist.

Auch wenn der Chemieunterricht lange her ist, kann man sich Folgendes zusammenreimen:

Schwache Säure + Starke Base = Basisch

Demnach wird unser saures Milieu auf der Haut in den neutralen bis basischen Bereich „gekippt“. Das hat zur Folge, dass die Haut 30 Min. (normale Haut) – 3 Stunden (geschädigte Haut) braucht um sich wieder zu normalisieren. In dieser Zeit ist sie Bakterien und Reizstoffen völlig schutzlos ausgeliefert.

Die obige Gleichung ist nicht als allzu wissenschaftlich zu betrachten, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie z.B. die Verdünnung mit Wasser, sowie die Schwankung des sauren Milieus auf unserer Haut.

Seife mit Leitungswasser ergibt Kalkseife

Jeder nutzt Leitungswasser zur Reinigung. Im Leitungswasser befinden sich Metallionen, welche mit den Fettsäuren der Seife schwer lösliche Ablagerungen bilden, sogenannte Kalkseife. Nun stellt euch diese grauen Ablagerungen in eurem Haar und auf der Haut vor. Die Haare werden stumpf und spröde, die Haut ausgetrocknet und gereizt.

Wenn wir also Seife nutzen, müssen wir mit Folgendem rechnen:

  • die Haut ist angreifbarer für Bakterien
  • sie braucht Zeit sich wieder zu normalisieren
  • fühlt sich trocken und quietschig an
  • bei kalkhaltigem Wasser kann sich Kalkseife auf der Haut und dem Haar absetzen

Es gibt Alternativen!

  • Syndets (Seifenstücke aus synthetischen Tensiden, die ph-Wert angepasst sind)
  • hydrophile Reinigungsöle und -fette
  • Reinigungsmilch
  • milde Gesichtswaschgele

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6 Kommentare

Monika 5. Oktober 2017 at 14:02

Schöner Artikel! Allerdings tut man meiner Meinung nach der Seife unrecht, wenn man sie auf die einfache Gleichung: Seife = alkalisch = schlecht für die Haut, reduziert. Jede Form der Hautreinigung (auch reines Wasser) modifiziert den Lipidfilm auf der Haut und erhöht den TEWL, sogar das Abtrocknen mit einem Handtuch: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18199943. Nicht zu häufig angewendet und in der Kombination mit rückfettenden Ölen kann natürliche Kernseife ein hervorragendes Reinigunsmittel sein. Das hängt aber auch vom Hauttyp ab, also einfach mal mit einer hochwertigen Kernseife ausprobieren, z.B. die von Laura genannte Aleppo- oder Marseille-Seife. Auch Duschen geht mit Kernseife: http://kernseife.info/kosmetik/duschen-mit-kernseife-statt-duschgel/

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Shenja 5. Oktober 2017 at 20:40

Hallo Monika,
hier muss ich dir aber in einigen Punkten widersprechen.
Ja, auch Leitungswasser hat einen Einfluss auf die Haut. Allerdrings im Vergleich zur Seife sehr viel geringer.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9407174 und der Anstieg des pH-Werts der Haut hat nunmal einen Einfluss auf den Hautzustand
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8573921
Was du auch vergisst: bei Reinigung mit Seife bildet sich Kalkseife aus, welche auf der Haut verbleibt und zu weiteren Irritationen führen kann.
Der nächste Punkt: die Fettsäuresalze gehören zu den anionischen Tensiden und auch noch zu den sehr harschen ihrer Art, was nicht unbedingt für Seife als Reinigungsmittel spricht.
Nur weil man schon Leitungswasser und ein Handtuch verwendet, ist das für mich persönlich kein Freifahrtsschein die Haut zusätzlich mit harschen Tensiden, Kalkseife und dem hohen pH-Wert der Seife zu reizen. Da gibt es einfach genug andere Alternativen 🙂

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Laura 15. Juli 2016 at 1:14

Hallo 🙂
Habe mir heute ein Stück Marseilleseife gekauft. Kannst du mir bitte helfen? Konnte irgendwie nicht herausfinden ob die Tenside mild sind? Bzw. Ob die sich genau so verhält wie die oben beschrieben Seifen. Vielen Dank!!
P.s. Ich mag deine Videos so sehr!! Hier
die INCI: Sodium olivate, Sodium palmate, Aqua, Sodium palm kernelate, Sodium Cocoate, Glycerin, Sodium chloride, Sodium hydroxide

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Laura 26. Juli 2015 at 1:45

Hallo 🙂
ich finde deine Seite echt super!
Ich habe die letzten Monate Alepposeife für mein Gesicht verwendet, aber nachdem ich das jetzt hier und auf anderen Seiten gelesen hab bin ich ein wenig geschockt.
Nun benutze ich Seife auch eher aus umwelttechnischen Gründen (Verpackungsmüll…) und würde deshalb gerne auf Syndets zurück greifen.
Wärst du so lieb und könntest dir die Inhaltsstoffe dieser beiden seifenfreien Stücke durchschauen und mir sagen welche du eher empfehlen würdest? Ich hoffe das ist nicht zu viel verlangt!
EInmal von Balea med:
http://www.codecheck.info/kosmetik_koerperpflege/koerperpflege/seifen/id_1123938874/Balea_med_pH_Hautneutral_seifenfreies_Waschstueck.pro

und einmal von Isana med:
http://www.codecheck.info/kosmetik_koerperpflege/koerperpflege/seifen/ean_4305615010359/id_345260/Isana_Med_Seifenfreies_Waschstueck.pro

Liebste Grüße,

Laura

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Bianka 19. April 2015 at 12:30

hm.. ich nutze schon seit Jahren Salzseife für die Gesichtsreinigung. Also nicht dieser industriell hergestellte Mist, sondern handgemacht. Mir ist klar, dass die trotzdem basisch ist, es ist nunmal Seife. Aber es sind ja viel mehr pflegende Stoffe enthalten als in Industrieseife.

Ich frage mich jetzt, ob ich dadurch, dass ich nach dem Waschen noch Gesichtswasser benutze, die Base eventuell wieder neutralisiere? Das wäre ja dann gut und man könnte Seife ohne Bedenken zur Gesichtsreinigung nutzen.

Wenn man Haarseife benutzt, macht man ja hinterher auch eine saure Rinse, damit eben keine Kalkseife entsteht. Ein säurehaltiges Gesichtswasser nach der Seifenreinigung sollte doch dann den gleichen Effekt haben, nicht?

Sorry, falls das irgendwie unlogisch sein sollte, aber Chemie war einfach noch nie mein Ding ;D
Bianka kürzlich veröffentlicht…Gefloppt | #1My Profile

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Shenja 19. April 2015 at 13:15

Ja, Seife ist leider ZU basisch 🙁 und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Basisches das SC extrem aufweicht und so zu vermehrtem Tewl führt. Für mich ist es also nix. Auch Haarseife. Ein Shampoo reicht doch auch,dann braucht man auch nix Saures. Und Kopfhaut ist sehr empfindlich und aufnahmefähig… die Tenside sind einfach reizend 🙁 Ich mein Zuckertenside sind mild und sehr umweltverträglich. Reinigen gut und sind nicht so basisch, da Syndets. Dieses Wissen macht Seife für mich persönlich unnötig und hat viel mehr Nachteile :S

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