Hautpflege-Basics // Der Säureschutzmantel

veröffentlich von Shenja 24. Juli 2016 4 Kommentare

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Heute erkläre ich euch kurz und knapp wer oder was der Säureschutzmantel ist und warum es so wichtig ist diesen möglichst zu bewahren.

Spricht man vom Säureschutzmantel meint man im Allgemeinen den sauren pH-Wert der Haut, welcher bei einem Menschen im Normalfall zwischen 4 und 6 schwankt, demnach also im sauren Bereich liegt. Dieser Wert entsteht durch die natürliche Talg- und Schweißproduktion. Auch Bakterien auf der Haut sind mitunter dafür verantwortlich.

Welchen Sinn hat der Säureschutzmantel?

Ganz einfach: er soll unsere Haut schützen. Er bietet nicht nur Schutz vor Keimen, sondern auch vor Umwelteinflüssen und starken alkalischen Substanzen. Es gibt natürlich unterschiedliche Faktoren, welche den pH-Wert beeinflussen, z.B. Genetik, Antibiotika, unsere Talg- und Schweißproduktion, Kosmetika und dementsprechend auch die Reinigung.

Worauf sollte man achten?

Diesen Mantel mutwillig zu zerstören, bringt einige Nachteile. Nicht nur, dass es Keimen einfacher fällt eure Haut zu befallen, auch reizende Substanzen können schneller eindringen und der Hautzustand kann sich verschlechtern. Sogar Wasser hat einen leichten Einfluss auf den pH-Wert der Haut, danach folgen Syndets (Waschgele, Waschschäume etc.). Seife ist und bleibt jedoch auf Platz 1 der säureschutzmantel-zerstörenden Reinigungsprodukte, da sie während der Herstellung in Lauge gekocht wird und somit einen basischen pH-Wert aufweist.

pH Wert verschiedener Produkte

pH-Werte verschiedener Produkte von links nach rechts: Leitungswasser, Zitronensaft, Syndet, Seife

Reinigt man seine Haut mit einem basischen Produkt, kann es 0,5 – 3 Stunden dauern bis der Säureschutzmantel wieder aufgebaut ist¹. In dieser Zeit ist eure Haut Allem schutzlos ausgeliefert.

Auch zu Saures sollte mit Vorsicht genossen werden, weil es die Haut reizen kann. Zitronensaft wird zum Beispiel gern in vielen DIYs empfohlen, wovon ich jedoch abraten würde. Zunächst ist der Saft dank Zitronensäure mit einem Wert von 2 äußerst sauer und in der Schale finden sich Cumarine, welche phototoxisch sind. Wenn ihr Pech habt, könntet ihr Bekanntschaft mit schweren Verbrennungen und Pigmentflecken machen, falls ihr eure Haut nach solch einer Behandlung der UV-Strahlung aussetzt.

Sonst noch was?

Im WWW spuken einige Mythen rum, dass der Säureschutzmantel mit der Entgiftung unseres Körpers zutun hat, wir eigentlich basische Wesen sind und uns dementsprechend mit basischen Produkten pflegen sollten. Der Haut wird aus dermatologischer Sicht keine Entgiftungsfunktion zugesprochen (in keinem meiner Fachbücher konnte ich eine Info dazu finden). Unsere Haut hat einige tolle Funktionen, doch eine Entgiftung zählt nicht dazu.

Funktionen der Haut

  • Wahrnehmung von Tastsinn, Temperaturempfinden, Schmerz und Juckreiz
  • stellt eine physikalische, chemische, biologische und immunologische Barriere dar
  • Schutz vor mechanischer Beanspruchung
  • Schutz vor chemischen Schädigungen, Hitze, Kälte und pathogenen Keimen
  • Schutz vor Verdunstung und Austrocknung

Zudem wird der Schweißproduktion sehr gern eine Entgiftung zugeordnet. Wenn wir uns jedoch die Zusammensetzung von Schweiß anschauen, kann man keinerlei giftige Substanzen oder Schlacken entdecken. Wir scheiden zwar Stoffwechselprodukte aus, aber keine Gifte.

Zusammensetzung von Schweiß

  • 99% Wasser
  • Natrium-, Kalium- und Chlorid-Ionen
  • Milchsäure, Lactat, Aminosäuren, Fettsäuren, Urocaninsäure
  • Ammoniak und Harnstoff

Auch wird oft argumentiert, dass wir als Babys im basischen Fruchtwasser schwimmen und deshalb alles darauf zurückzuführen sei. Was jedoch oft vernachlässigt wird: das Fruchtwasser ist unter anderem basisch, weil das Kind Stoffwechselprodukte ausscheidet. Außerdem besitzen Babys einen natürlichen Schutz vor diesem Fruchtwasser. Dieser nennt sich Käseschmiere (Vernix caseosa). So erscheint es doch ganz normal, dass man seine Haut vor zu alkalischen Substanzen schützen sollte.

Quellen: Dermatokosmetik von M. Kerscher, ¹ Körperpflegekunde- und Kosmetik von S. Ellsässer, Dermatologie und medizinische Kosmetik von Hermann & Trinkkeller, Cosmetic Dermatology Products and Procedures edited by Zoe Diana Draelos MD, Naturkosmetik selber machen von Heike Käser

So zeigt sich wieder, dass unser Säureschutzmantel definitiv einen Sinn hat! Also bleibt lieber sauer.

 

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4 Kommentare

Frank Kröhnert 2. März 2017 at 12:12

Hallo, ich muss da mal eine Erfahrung anbringen, die ich die letzten Wochen gemacht habe, und mit Deinem Bericht im Wiederspruch steht. Ich bin mit „Fischhaut“ also Mediziner-Deutsch „Ichthyose“ vor 50 Jahren alz ziemlich hässliches Kind mit sehr, sehr vielen Schuppen gebohren worden. Mein ganzes Leben habe ich damit verbracht, meiner Haut viel Pflege zu geben – und: auf meinen Säureschutzmantel zu achten. Jetzt, gerade im Februar war die letzten 50 Jahre Dauerkampf angesagt. Trockene Heizungsluft und wenig Zeit für Sport hinterließen Spuren auf meiner Haut. Wenn ich sie mit den vielen Sälbchen, die ich von Hautärzten bekommen habe eincremte, um einigermaßen gepflegt zum Hautarzt zu gehen, und der mir nur sagte: „Sie müssen sich schon mit der Creme einkremen, sonst hilft das nicht…!“ Dann war klar, das dieser Kampf so nicht zu gewinnen war. Im Sommer habe ich wunderschöne Haut. Wenn ich am Meer das Salzwasser an meine Haut lasse, ist alles OK – nur wohne ich leider nicht am mehr. In den letzt Jahren gesellte sich noch eine Neurodermitis dazu, die über meinen Körper wandert – dahin, wo es peinlich ist…dahin wo sie lästig ist. Ich hatte UREA-haltige Cremes, natürlche Öle und das ganze Arsenal….hauptsache FETT und SAUER!!! Ich ließ mich vor ca. 2 Montaten überreden, es mal mit einem basischen Bad zu versuchen. Der Gedanke, an meine maltretierte Februarhaut basische Substanzen zu lassen, die meinen „Säureschutzmantel“ ZERSTÖREN würden, war mir unheimlich. Ich bestellte mir Rayosole und machte alles so, wie es beschrieben wurde…. 1 Stunde in der Badewanne (mit bester Unterstützung von NETFLIX 🙂 ) und dann nicht abtrocknen und nachkremen. UND JETZT DAS WUNDER: Seitdem ist meine Haut weich und ich bin nicht mehr der wandelnde Schneesturm – der Hammer. Meine Haut fühlt sich weich an und schuppt nicht die Welt voll. Weil ich da ÜBERHAUPT NICHT mit gerechnet habe, durchstöbere ich das Internet, weil ich verdamt noch mal rauskriegen will, woher dieses Wissen um den sogn. „Säureschutzmantel“ kommt? Woran das liegt, kann ich nicht erklären. Einigen wir uns darauf, das das Wort „Säureschutzmantel“ schlichtweg falsch ist – Hydrolipidmantel ist besser. Warum hilft mir gerade ein basisches Bad? Wo ich seit 50 Jahren von Hautärzten in die falsche Richtung behandelt werde? Ich wollte das nur hier hin schreiben, damit der eine oder andere das gleiche Glück haben kann…vielleicht nicht nach 50 Jahren, sonder halt früher 🙂

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Doro 27. Juli 2016 at 17:31

Hallo! Wie ist das eigentlich mit sauren rinse für die Kopfhaut? Ich dachte bis jetzt, das sei gut für die Kopfhaut und hilft z.B. bei Schuppen. Aber nach Deinen Ausführungen müsste die Säure im Apfelessig den Säureschutzmantel der Kopfhaut zerstören und ist somit schädlich. Habe ich das so richtig verstanden?
Viele Grüße, Doro

Antworten
Shenja 29. Juli 2016 at 11:03

Hallo Doro,
warum macht man saure Rinse auf der Kopfhaut? 🙂 Saures soll ja eigentlich die Schuppenschicht anlegen. Würde eher für die Längen gelten. Jau, pathogene Keime mögen Saures nicht, aber sind meistens Pilze die diese Probleme bei Schuppen bereiten. Da kann eher Zinkpyrithion helfen oder andere antimykotische Stoffe. Also ich wäre vorsichtig mit Essig und Co. auf der Haut 🙂

Antworten
Soph 1. Juni 2017 at 0:09

Na der Essig wird ja verdünnt und nicht pur drübergegossen. Man kann es entweder machen, um die Haarschuppenschicht anzulegen oder eben um schuppige Kopfhaut zu bekämpfen.

Das mit der Kopfhaut ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hilft es sehrwohl gegen gewisse Mikroorganismen (auch Pilze!). Andererseits kann die Säure aber auch die Kopfhaut reizen und austrocknen. Es kommt also wohl auf die Ursache der Schuppen und die eigene Empfindlichekeit an. Falls man also Schuppen hat und diese nicht loswird, ist es nicht verkehrt, mal Essig (verdünnt!!) auszuprobieren. Sollte man aber keine Besserung oder sogar eine Verschlechterung feststellen: sofort abbrechen.

LG

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